Emil und ...
die Katze
Als wir uns im
Dezember in diesen uns noch völlig unbekannten spanischen Zausel verschauten,
rechneten wir mit allen möglichen neuen Herausforderungen und wurden letztlich
von einem Hund überrascht, den wir uns beinahe nicht großartiger wünschen
könnten.
Dieses
"beinahe" würde unsere Katze Java vermutlich doppelt unterstreichen
und würde man sie nach ihrem ersten Eindruck befragen, auch alles andere als
unsere Begeisterung für den neuen Mitbewohner teilen, obwohl sie durchaus kein
Hundefeind ist. Das Emil hingegen kein grundüberzeugter Katzenfreund ist, hatte
er vermutlich irgendwo zwischen Spanien und Deutschland beschlossen.
Obwohl wir uns
nach der "Warnung" im persönlichen Gespräch mit Claudia, dass ein
bestandener Katzentest keine Garantie für ein von Beginn an problemloses
Miteinander sei, auf einige anstrengenden Tage gefasst machten, hatten wir zu
dem Zeitpunkt keine Ahnung auf welche Geduldsprobe wir uns einlassen würden.
Nachdem Emil die
lange Fahrt von Spanien nach München und mit uns weiter nach Berlin überstanden
hatte, versetzte ihn der erste Anblick unserer Katze buchstäblich in
Alarmbereitschaft: wild bellend, jaulend und orientierungslos um sich
schnappend gab er uns zu verstehen was er von ihr hielt. Wir versuchten uns
dieses erste katastrophale Aufeinandertreffen mit seiner langen stressigen Anfahrt und seiner Unsicherheit
angesichts des völlig neuen Umfelds zu erklären.
Sein Verhalten
unserer Katze gegenüber änderte sich jedoch auch in den darauf folgenden Tagen
und, um das vorweg zunehmen, auch in den darauf folgenden Wochen nicht.
Alle Versuche
ihn an einer Hausleine möglichst entspannt durch den gemeinsamen Wohnungsalltag
mit der Katze an ihre Gegenwart zu gewöhnen, endeten darin, dass er nach ihr
schnappte, sobald sich ihm die Gelegenheit bot. An diesem Punkt und mit der
Einsicht, dass unsere Bemühungen in dieser Situationen zu keiner Lösung führen
würden, beendeten wir vorerst jegliches Aufeinandertreffen der beiden, teilten
sowohl Wohnung als auch unsere Aufmerksamkeit sozusagen Schichtweise - ständig
begleitet von einem furchtbar schlechtem Gewissen, keinem der beiden gerecht
werden zu können - und kontaktierten hoffnungsvoll eine Hundetrainerin.
Diese erste
Hundetrainer-Episode bleibt mit der Erkenntnis abzukürzen, dass nicht jede
Trainingsmentalität und Methode (ohne diese herabzusetzen) zu jedem Hund passt
und man sich letztlich wirklich auf sein Bauchgefühl verlassen sollte. Unser Bauchgefühl
und der gemeinsame Alltag mit Emil sagte uns, dass er weder ein stark
dominanter Hund, noch dass das Katzenproblem ein reines Dominanzproblem ist.
Somit waren wir zwar um eine Erkenntnis reicher, dass Problem blieb allerdings
bestehen und zerrte an den Nerven aller Beteiligten.
Wir ließen die
beiden zunächst weiter getrennt, da kein auch nur annähernd normaler
Tagesablauf möglich war mit einem Hund an der Leine, der sich bellend auf die
Katze stürzen möchte. Vor allem wollten wir auch die ungeheuren starken Nerven
unserer Katze nicht mehr als sowieso schon überstrapazieren - allein über ihre
unglaubliche Gelassenheit, Ruhe und täglich neue Geduld ließen sich Seiten
füllen :-).
Wir begannen ca.
drei mal am Tag die beiden zusammen zu bringen: Java auf einem erhöhten Ort an
dem sie sich sicher fühlte und Emil an der Leine. Auf Bellen, Jaulen und
Fixieren erfolgte ein nein - vergaß er sich in seiner Aufregung völlig,
stupsten wir ihn in die Flanke - auf jeden ruhigen Moment viele ruhige feins
und Kekse - noch mehr feins und Kekse wenn er uns anschaute.
Wir betraten den
Raum möglichst ruhig mit ihm, ließen ihn sich auf seinen Platz legen, oder
gingen mit ihm immer wieder in den Raum rein und raus. Nach einigen Tagen
begannen wir ihn abends, wenn wir ruhig beisammen saßen, an einer Leine mit in
das Wohnzimmer auf seine Decke zu nehmen. Unsere Katze konnte den Raum beliebig
betreten oder verlassen.
Das Prinzip war
das Gleiche wie zuvor: ein scharfes nein für Bellen, Jaulen und Fixieren, viele
ruhige feins und Kekse für Ruhe, Entspannung und auf uns gerichtete
Aufmerksamkeit. Zudem haben wir bemerkt, dass Emil sich beim Kauvergnügen an
Ochsenziemer & Co. leichter weiter entspannte. Es erübrigt sich
wahrscheinlich zu erwähnen, dass Java in dieser Zeit nahezu Narrenfreiheit
genoss und mit all denkbarer
Dankbarkeit, Leckereien und Tollem
belohnt wurde. Schließlich sollte auch sie den Hund nicht nur als lärmendes
Übel betrachten und sich als Freigängerin womöglich noch nach einem
friedvollerem Ort umschauen.
Unsere
"Übungen" liefen über Wochen hinweg, mal mit mehr, mal mit weniger
Erfolg. Gab es Momente in denen wir dachten, dass Schlimmste wäre endlich
ausgestanden, folgten Tage in denen Emil sich wie beim ersten Zusammentreffen
aufführte. Letztlich aber machte er viele kleine Fortschritte, die wir
vielleicht gar nicht immer sofort als solche wahrnahmen.
An dem Punkt, an
dem wir so endlich relativ entspannt die Abende miteinander verbringen konnten,
baten wir eine andere Trainerin, bei der wir mit Emil auch seit längerem die
Hundeschule besuchen, uns weiterzuhelfen. Nach all den Erlebnissen der
vergangenen Wochen hinsichtlich Emils Verhalten gegenüber Java reichte unsere
Vertrauen in ihn, trotz seiner Fortschritte, nicht dafür aus ihn nun wirklich
nah an sie heranzulassen. Und so kam unsere Trainerin vermutlich mehr um uns
Vertrauen und Zuversicht zu bringen, als Emil weiter an die Katze zu gewöhnen.
In ihrem Beisein
und unter anfänglicher Absicherung durch einen Maulkorb, an den er bereits seit
längerer Zeit dank vieler Keksen gewöhnt war, lernten sich die beiden nun
endlich mal auch aus der Nähe kennen (und Emil die Krallen bei seinen ersten
sehr aufdringlichen Annäherungsversuchen).
In den nächsten
Wochen ließen wir die beiden nun unter Aufsicht soviel wie möglich frei
zusammen durch die Wohnung laufen, korrigierten Emils zu aufdringlichen
Annäherungen, mögliches fixieren oder ständiges Hinterherschleichen wieder mit
den bekannten neins und jedes gewünschte Verhalten mit vielen feins und Keksen.
Gänzlich unbeobachtet
würden wir die beiden wohl noch nicht lassen und auch beim Füttern achten wir
darauf, dass gewissen Grenzen eingehalten werden, aber das Ganze ist auf dem
erdenklich besten Wege tatsächlich eine Freundschaft zu werden.
Während ich
jetzt versuche, all die Ereignisse der vergangenen Zeit hier niederzuschreiben,
liegen beide entspannt neben meinem Schreibtisch um im Anschluss wahrscheinlich
wieder gemeinsam in der Küche aufs Abendessen zu schielen - eine Tatsache, die
wir zeitweise nicht für möglich gehalten hätten.
Ich denke, dass
Emil wirklich eine Ausnahme hinsichtlich dieser zu Beginn äußerst schwierigen
Freundschaft darstellt und wir uns bestimmt in manchen Situationen nicht immer
sofort angemessen verhalten haben - man wächst bekanntlich an seinen Aufgaben.
Letzten Endes wird man jedoch für die Ruhe, Beharrlichkeit und event.
Inanspruchnahme von professioneller Hilfe unendlich belohnt: belohnt mit einem
wundervollen Hund, der vielleicht manchmal mehr als nur eine Chance benötigt
und der einen dafür jeden Tag aufs Neue überrascht und unbeschreibliche Freude
bereitet.
Die Geschichte wurde eingeschickt von Sabrina S., Adoptantin von Emil
Herzlichen Dank für diesen Bericht und die Geduld mit Emil! Wir hoffen sehr, dass sich so einige Menschen ermutigt fühlen, nicht gleich aufzugeben und den Hund wieder abzugeben. Sondern sich Zeit nehmen um mit seinem neuen Familienmitglied zu arbeiten. Denn auch unsere Tiere müssen erst lernen, wie es bei uns so läuft. Das geht nicht von heute auf morgen.


