Die letzten Kilometer vom Treffpunkt mit der Präsidentin des Vereins bis zur Auffangstation brachten wir auf einem grobsteinigen, mit Fahrrinnen und Schlaglöchern übersäten Feldweg hinter uns, der uns auf eine Lichtung führte, auf der die Station lag.
Meine Reise in die Welt der nicht vergessenen Tiere begann.Die Auffangstation von El Molí gehörte zu den kleineren ihrer Sorte. Sie bestand aus einem Haus, in dem drei Katzenzimmer und die Versorgungsstationen untergebracht waren. Auf dem Außengelände befanden sich die Hundegehege. Außer auf diesem Gelände waren auch auf dem Privatgrundstück der Präsidentin des Vereins Hunde und Katzen untergebracht, das ein paar Kilometer weiter außerhalb von Terrassa lag. Außerdem betreuten die Mitarbeiter viele kleine Kolonien von freilebenden Katzen und Hunden.
In den paar wenigen Tagen, die ich mit den Mitarbeitern und in der Auffangstation verbrachte, tat ich das, was die Mitarbeiter tagein tagaus in ihrer Freizeit für die Tiere tun. Ich half mit beim Saubermachen der Katzenzimmer, bei der Futterverteilung, beim Gassigehen, beim Reinigen der Außengehege und habe Hund und Katz zum Tierarzt begleitet. Ich habe die Tiere auf dem Gelände der Präsidentin besucht und ich habe mich viel mit den Mitarbeiterinnen unterhalten. Und weil ich Gast war, hatte ich das Privileg, mir ein paar Momente mehr Zeit nehmen zu können, um jedes einzelne Tier zu streicheln, mit ihnen zu sprechen und ein bisschen zu spielen.
Ich erfuhr viel über die alltäglichen Umstände und Probleme, über tägliche Diskussionen mit dem zuständigen Rathaus, über Gesetzesänderungen, Auflagen und Verbote, und war mittendrin in tränenreichen Momenten, als zum Beispiel die reservierte Katze Selina bei der Vorbereitung zur Ausreise nach Deutschland nicht mehr aus der Narkose aufwachen wollte. Aber es gab auch lustige Geschichten über drollige Tiere und Situationen mit ihnen und über Momente und Erlebnisse, die Augen zum Strahlen brachten.
Es gab Momente, da wollte ich mein Leben in Deutschland aufgeben und diesen Aufgaben in Spanien widmen. Es gab aber auch Momente, da wusste ich, dass ich auf Dauer daran kaputt gehen würde. Ich habe in den 4 Wochen Urlaub noch viele Orte in Spanien besucht, aber in jedem Moment waren die Tage in Terrassa in meinen Gedanken. Ich habe meine Restspanien-Tour früher beendet, um auf der Rückreise noch einmal Zeit mit diesen Menschen und Tieren zu verbringen.
Es waren insgesamt nur ein paar Tage, die ich in der Auffangstation verbrachte, aber diese paar Tage waren so voll, dass es mir vorkam, als wären Wochen vergangen. Und, diese Tage und Erlebnisse begleiten mich seither.
Ich habe viel mit nach Deutschland genommen. Das Fass ohne Boden, den Tropfen auf dem heißen Stein, jedes Augenpaar der Tiere, Hoffnung, Hoffnungslosigkeit, Liebe, Hass….
Sylvia schreibt „Wer sich für Tiere einsetzt, darf kein Feigling sein“. Das stimmt. Ich dachte damals, ich bin ein Feigling, weil ich den endgültigen Schritt nach Spanien nie gegangen bin. Ich dachte, ich müsste die gesamte Tierwelt retten und würde daran zerbrechen, weil ich das nicht kann. Meine Bewunderung ging und geht heute noch an diejenigen Menschen, die so einen Schritt gegangen sind, egal in welchem Land, egal für welche Situation.
Manchmal bin ich auch heute noch ein Feigling, aber ich habe einen Kompromiss mit mir geschlossen. Es hat ganze 5 Jahre gedauert, bis ich für mich die Lösung gefunden habe, die mir hilft, zu helfen und dabei glücklich zu sein, denn ich kann nicht alle Tiere dieser Welt retten, aber sicher die ganze Welt eines einzelnen Tieres.
Und so habe ich mich Mitte 2011 bei der Tierhilfe-Verbindet für Vor- und Nachkontrollen von Katzen und für einige andere Tätigkeiten beworben, bin Patin vom Hundemädchen Mathilde und vom Projekt „Leuchtende Katzenaugen“ geworden und wachse und lerne und kann endlich ein bisschen was zu dieser besonderen Welt beitragen.
Ich habe noch mehr von dieser Reise mit nach Deutschland genommen. Meinen kleinen roten Kater Luke, der bei seiner Geburt Herpes im linken Auge hatte und dem ein chronischer Schnupfen geblieben ist. Deswegen wurde er schon bei der Geburt von seiner Mutter verstoßen und in den ersten Wochen mit der Flasche aufgepäppelt.
Es hieß, in Spanien wird er keine Chance auf ein liebevolles Zuhause bekommen, in Ordnung, dann gebe ich ihm eine. Die Heimreise war für den kleinen Mann und mich sehr spannend und wir waren 23 Stunden am Stück unterwegs. Aber das….ist eine andere Geschichte.
Diese Geschichte wurde eingeschickt von Cornelia Kranz, THV-Team







