22. Februar 2012

Autopista C16

Autopista C16, Barcelona-Manresa, Terrassa Centre, Salida 23. Endlich! Es war halb neun Uhr abends. Seit morgens um acht Uhr lagen knapp 700km, eine VW-Bus-Panne mit Abschleppen und Werkstattbesuch, eine leer telefonierte Prepaidkarte, eine Landesgrenze, Sonne, Sturm und Regen hinter mir. Ich hatte eineinhalb Stunden Verspätung. Ich war kaputt, aufgeregt, müde, hungrig, froh.

Mit im Gepäck waren viele leere Transportboxen, Decken, Futter, Spielzeug. Ich war auf dem Weg zur Auffangstation des Tierschutzvereins El Molí, den es in dieser Form heute leider nicht mehr gibt. Von ihm hatte ich drei Monate vorher meinen Katzenmann Míu bekommen. Die Transportboxen, die bei einigen Menschen, die ich auf meiner Reise traf, ein Stirnrunzeln hervorriefen, stammten vom Verein Tierhilfe-Verbindet, von dem ich meine Katzendame Mira ein halbes Jahr vorher adoptiert hatte.
Die letzten Kilometer vom Treffpunkt mit der Präsidentin des Vereins bis zur Auffangstation brachten wir auf einem grobsteinigen, mit Fahrrinnen und Schlaglöchern übersäten Feldweg hinter uns, der uns auf eine Lichtung führte, auf der die Station lag.

Meine Reise in die Welt der nicht vergessenen Tiere begann.
Die Auffangstation von El Molí gehörte zu den kleineren ihrer Sorte. Sie bestand aus einem Haus, in dem drei Katzenzimmer und die Versorgungsstationen untergebracht waren. Auf dem Außengelände befanden sich die Hundegehege. Außer auf diesem Gelände waren auch auf dem Privatgrundstück der Präsidentin des Vereins Hunde und Katzen untergebracht, das ein paar Kilometer weiter außerhalb von Terrassa lag. Außerdem betreuten die Mitarbeiter viele kleine Kolonien von freilebenden Katzen und Hunden.

In den paar wenigen Tagen, die ich mit den Mitarbeitern und in der Auffangstation verbrachte, tat ich das, was die Mitarbeiter tagein tagaus in ihrer Freizeit für die Tiere tun. Ich half mit beim Saubermachen der Katzenzimmer, bei der Futterverteilung, beim Gassigehen, beim Reinigen der Außengehege und habe Hund und Katz zum Tierarzt begleitet. Ich habe die Tiere auf dem Gelände der Präsidentin besucht und ich habe mich viel mit den Mitarbeiterinnen unterhalten. Und weil ich Gast war, hatte ich das Privileg, mir ein paar Momente mehr Zeit nehmen zu können, um jedes einzelne Tier zu streicheln, mit ihnen zu sprechen und ein bisschen zu spielen.

Ich erfuhr viel über die alltäglichen Umstände und Probleme, über tägliche Diskussionen mit dem zuständigen Rathaus, über Gesetzesänderungen, Auflagen und Verbote, und war mittendrin in tränenreichen Momenten, als zum Beispiel die reservierte Katze Selina bei der Vorbereitung zur Ausreise nach Deutschland nicht mehr aus der Narkose aufwachen wollte. Aber es gab auch lustige Geschichten über drollige Tiere und Situationen mit ihnen und über Momente und Erlebnisse, die Augen zum Strahlen brachten.

Es gab Momente, da wollte ich mein Leben in Deutschland aufgeben und diesen Aufgaben in Spanien widmen. Es gab aber auch Momente, da wusste ich, dass ich auf Dauer daran kaputt gehen würde. Ich habe in den 4 Wochen Urlaub noch viele Orte in Spanien besucht, aber in jedem Moment waren die Tage in Terrassa in meinen Gedanken. Ich habe meine Restspanien-Tour früher beendet, um auf der Rückreise noch einmal Zeit mit diesen Menschen und Tieren zu verbringen.

Es waren insgesamt nur ein paar Tage, die ich in der Auffangstation verbrachte, aber diese paar Tage waren so voll, dass es mir vorkam, als wären Wochen vergangen. Und, diese Tage und Erlebnisse begleiten mich seither.

Ich habe viel mit nach Deutschland genommen. Das Fass ohne Boden, den Tropfen auf dem heißen Stein, jedes Augenpaar der Tiere, Hoffnung, Hoffnungslosigkeit, Liebe, Hass….

Sylvia schreibt „Wer sich für Tiere einsetzt, darf kein Feigling sein“. Das stimmt. Ich dachte damals, ich bin ein Feigling, weil ich den endgültigen Schritt nach Spanien nie gegangen bin. Ich dachte, ich müsste die gesamte Tierwelt retten und würde daran zerbrechen, weil ich das nicht kann. Meine Bewunderung ging und geht heute noch an diejenigen Menschen, die so einen Schritt gegangen sind, egal in welchem Land, egal für welche Situation.

Manchmal bin ich auch heute noch ein Feigling, aber ich habe einen Kompromiss mit mir geschlossen. Es hat ganze 5 Jahre gedauert, bis ich für mich die Lösung gefunden habe, die mir hilft, zu helfen und dabei glücklich zu sein, denn ich kann nicht alle Tiere dieser Welt retten, aber sicher die ganze Welt eines einzelnen Tieres.

Und so habe ich mich Mitte 2011 bei der Tierhilfe-Verbindet für Vor- und Nachkontrollen von Katzen und für einige andere Tätigkeiten beworben, bin Patin vom Hundemädchen Mathilde und vom Projekt „Leuchtende Katzenaugen“ geworden und wachse und lerne und kann endlich ein bisschen was zu dieser besonderen Welt beitragen.

Ich habe noch mehr von dieser Reise mit nach Deutschland genommen. Meinen kleinen roten Kater Luke, der bei seiner Geburt Herpes im linken Auge hatte und dem ein chronischer Schnupfen geblieben ist. Deswegen wurde er schon bei der Geburt von seiner Mutter verstoßen und in den ersten Wochen mit der Flasche aufgepäppelt.

Es hieß, in Spanien wird er keine Chance auf ein liebevolles Zuhause bekommen, in Ordnung, dann gebe ich ihm eine. Die Heimreise war für den kleinen Mann und mich sehr spannend und wir waren 23 Stunden am Stück unterwegs. Aber das….ist eine andere Geschichte.

Diese Geschichte wurde eingeschickt von Cornelia Kranz, THV-Team

15. Februar 2012

Lori – Das scheue Rehlein mit dem Terrier im Blut...

Hmmm, mal überlegen…wie fing alles an?

Angefangen hat alles mit meinen Auszug von Zuhause - im November 2006. Endlich konnte ich mir meinen lang ersehnten Wunsch nach einem eigenen Hund erfüllen! Mit einem Hund daheim bei meinen Eltern war mein Vater damals nicht einverstanden, aber während meiner Arbeitszeit durfte ich dann gnädiger Weise doch ein Hündchen „unterstellen“. ;-)

So zog Felix, meine Miniatur-Ausgabe von Richard Gere, aus dem Tierheim München-Riem bei uns ein. Er war sicherlich nicht der als Anfängerhund ausgeschriebene Hund, aber man ist ja erfinderisch, nimmt sich der Probleme an und meistert alles mit der Zeit.

Vier Jahre lang hatten wir Felix nun, als es mich 2010 wieder so komisch in den Fingern juckte. ;-) Schon seit einiger Zeit hatte ich neugierig die immer häufiger zu sehenden Mehrhundehalter beobachtet. Mir gefiel das Untereinander zwischen den Hunden, das Zusammengehörigkeits-gefühl.
Schließlich erwischte ich mich immer öfter auf diversen Tierschutz-Seiten bis ich dann sie entdeckte: Lori! Genau mein Beuteschema. Ein Terrier. Und ein „Handicap“: Angsthund!

Da war das Interesse in mir geweckt, ich wollte Lori unbedingt kennenlernen und versuchen ihr zu helfen. Mit meinem inzwischen schon etwas gesetzterem Rüden wollte ich ihr einen starken Mann an die Seite geben und an ihrer Angst arbeiten.
Das Kennenlernen fand noch am selben Tag statt. Lori sprang aus dem Auto der Pflegestelle raus und war auch gleich wieder unter diesem verschwunden. Ups..jaaa, sie hatte wirklich Angst!

Ich merkte, dass es keinen Sinn machen würde, zu versuchen sich gleich mit ihr anzufreunden. Deshalb gingen wir einfach mal so los…den Waldweg entlang…

Die Hunde untereinander verhielten sich neutral und ich lies Lori immer wieder mal ein Leckerchen fallen, das sie sich dann heimlich holte. Ein Rückblick zuviel und sie verschwand gleich wieder hinter ihrem Pflegefrauchen.

Die meisten hätten sich wahrscheinlich von diesem Verhalten abschrecken lassen. Es war keine Scheu, bei der man mit ein bisschen Bestechung nach kurzer Zeit zu dem Hund durchdringen kann…nein, alles würde ein lebenslanger Lernvorgang für uns werden.

Aber gut, wir sollten nach Rücksprache mit der Pflegestelle doch eine Nacht darüber schlafen…uns innerhalb der Familie austauschen, ob wir uns in dieses Abenteuer stürzen wollen. Und ja wir wollten! Ich brauchte keine Nacht, der Entschluss stand fest, Lori sollte kommen! Unbedingt!

Gesagt, getan, Fragebögen wurden ausgefüllt, die Platzkontrolle durchgeführt und schon am zweiten Tag nach unserem Kennenlern-Date durfte ich Lori abholen. Für die erste Woche hatte ich Urlaub genommen um Lori langsam an ihren Alltag heranführen zu können. Dazu gehören auch täglich kurze Besuche bei meinen Eltern. Schließlich würde sie dort zusammen mit Felix täglich einige Stunden verbringen.

Lori und ich wuchsen sehr schnell zusammen, das Vertrauen wurde mehr und mehr gefestigt. Besonders das gemeinsame Kuscheln in der Nacht tat uns beiden unwahrscheinlich gut. Die täglichen Spaziergänge waren nicht leicht für uns, Lori hatte vor allem und jedem Angst, aber man freute sich über jeden noch so kleinen Fortschritt dieser zarten Hündin. Sie werden überrascht sein über was für noch so minimale Kleinigkeiten man sich freuen kann!

Als zusätzliche Hilfe holten wir uns eine Hundetrainerin ins Haus. Ach was erzähl ich, ich glaube es ist inzwischen die 4te und bisher beste und hoffentlich auch letzte Trainerin ;-) Sie hat Lori eine ganz tolle Möglichkeit verschafft mit fremden Menschen eine positive Verknüpfung herzustellen: Mantrailing. Lori lernt hierbei eine ihr fremde Person kennen und muss diese dann suchen. Das ist ihre Aufgabe! Natürlich möchte sie vorrangig die Käse-Box finden, die die Person mit auf ihren Weg genommen hat, aber egal, Lori erledigt ihren Job mit vollem Eifer. Nach und nach können wir den Schwierigkeitsgrad steigern und zum Beispiel auch in ruhigen Straßen auf Suche gehen. Sie ist voll und ganz dabei und hat massig Spaß! Und das ist das größte Geschenk! Diese Freude, diese Motivation miterleben zu dürfen! Von einem Hund der nichts mehr dieser Menschenwelt zu tun haben wollte. Einfach klasse!

Ich liebe diesen Hund über alles und würde diesen schweren Weg immer wieder gehen und er ist ja auch noch lange nicht zu Ende! Lori und ich haben noch viel, viel vor uns! Und wie es nunmal so ist, unverhofft kommt oft…“Hund 3“ ist inzwischen auch noch eingezogen. ;-)

Diese Geschichte wurde eingeschickt von Andrea Schell, THV-Team

13. Februar 2012

Heute ist Mittwoch, der 8. Februar, 17.00 Uhr. Wir haben -11° Außentemperatur und langsam wird’s dunkel. Also schlüpfe ich wie jeden Tag in meinen superwarmen Parka, meine dicke Schneehose, ziehe mir warme Socken und Wanderstiefel an und nehme den Schal und eine lächerliche (aber dafür wahnsinnig warme) Mütze mit Ohrenschützern mit ins Auto. Macht ja nichts, sehen wird mich eh kaum jemand und diejenigen die mich dort zu Gesicht bekommen, die stört so was nicht. Die haben andere Sorgen…

Ich lade 10 frische Plastiknäpfe, einen Eimer mit 6 Kilo Nassfutter und 10 Mini-Handwärmer in den Wagen und fahre los. Nach 5 Minuten bin ich am Ziel. Aus dem Gebüsch sehe ich schon von weitem die ersten Augen im Scheinwerferlicht blitzen. Gleich drauf sausen dunkle, kleine Körper über die Wiese zum Futterplatz und setzen sich ängstlich wartend auf das gefrorene und mit Schnee bedeckte Gras.

Ich parke am Wegrand und kämpfe mich aus dem Auto, stapfe in meiner „Michelin-Männchen“-Verkleidung und mit Futter und Näpfen beladen ziemlich unelegant auf das Futterhäuschen zu. Ein bestimmter Pfiff von mir und schon flitzen einige weitere Katzen aus ihren Verstecken und blicken mit gierigen Augen auf mich und meine Mitbringsel.

Kaum bin ich aus dem warmen Auto ausgestiegen, friert mich schon – trotz meiner warmen Klamotten. Handschuhe ziehe ich gar nicht erst an, auch wenn mir fast die Finger abfrieren, denn damit kann man kaum arbeiten.

Und jetzt muss alles recht schnell gehen, denn ich arbeite ab sofort gegen die Zeit, oder um es besser zu sagen, gegen die Kälte.

Ich fülle die mitgebrachten Näpfe schnell mit frischem Nassfutter und sofort stürzen sich Giacomo und Bärli, die zwei mutigsten Katzen drauf. Dann kommen schon Bobby, die dicke Marie, Blacky, Obelix und einige weitere.

Sie schlingen was das Zeug hält, denn auch sie wissen: in wenigen Minuten ist das Futter angefroren, in etwa einer halben Stunde ist es ganz durchgefroren. Hier an der Futterstelle, mitten auf einer Anhöhe auf fast freiem Feld hat es immer noch mal ein paar Grad weniger als im Wohngebiet.

Sobald alle Näpfe gefüllt sind, werden sie flott gegen die alten Näpfe in der Futterstation ausgetauscht. Dabei sehe ich jeden Tag, dass ein großer Teil des Futters in den Näpfen gefroren ist. In der Mitte ist immer ein Stück freigeleckt, aber die kleinen Zungen können kaum so schnell arbeiten wie der Frost. Das Futter gefriert den Miezen vor der Nase.

Unter jeden Napf kommt ein kleiner Taschenhandwärmer, aber das ist nur ein kläglicher Versuch, das Futter etwas länger vom Gefrieren abzuhalten – aber eine andere Möglichkeit habe ich nicht. Es gäbe noch Platten, sogenannte Snuggle Safes, die in der Mikrowelle zu erhitzen wären und viele Stunden warm halten, aber das ist einfach zu teuer. 18 Euro kostet eins dieser Dinger und ich bräuchte mindestens 10 davon. Immer 5 pro Tag zum Unterlegen und 5 im Austausch um sie zuhause aufzuwärmen und dann wieder mitzunehmen. Und die Futterstation steht frei zugänglich für Jeden. Näpfe wurden mir schon entwendet, wer weiss dann, wer diese Warmhalter noch brauchen könnte …

So, dann noch schnell das Trockenfutter aufgefüllt. Das Nachrutschen der Körnchen aus der Futterstation klappt nicht so richtig und manche der scheuen Katzen trauen sich auch nicht auf das obere Brett zu springen um dort an die Futterraufe ranzukommen. Also stelle ich etwa zwei mal 1 Kilo Trockenfutter runter auf den Boden. Es ist am nächsten Tag immer komplett weg.

Inzwischen sind meine Finger steif gefroren, ich kann die Taschenwärmer kaum noch knicken um sie in Gang zu setzen, und fast jeden Tag gehen ein oder zwei dieser blöden Dinger kaputt…

Einige dieser 30 verwilderten Katzen erlauben mir, sie während des Fressens zu streicheln. Nie gehe ich, ohne ihnen diese Zuwendung zuteil werden zu lassen. Jetzt, bei diesen Temperaturen spüre ich deutlich wie sie zittern. Sie haben hier zwar Unterschlupf, aber dies sind nur zugige, undichte Scheunen aus Holz. Innentemperatur ist gleich Außentemperatur.

Keine Wärme. Sie haben ein Winterfell, aber sie sitzen auf kaltem, nassen Boden. Die Kühe, die früher angenehme Wärme abgegeben haben, sind nicht mehr da. Sie landeten schneller im Schlachthof als der alte Bauer begraben werden konnte.

Früher war auf diesem Hof sicher auch nicht alles Eitel Sonnenschein. Aber heute regiert hier die Kälte – und das nicht nur im Winter. Auch bei Sonnenschein und 30 Grad. Die Erben wollten die „überflüssigen“ Katzen aushungern. Oder anderweitig entsorgen. Sind ja zu nichts nutze und verschmutzen nur den völlig verwahrlosten Hof noch zusätzlich. Aha.

Klar sind sie zu nichts mehr nutze – keine Kühe, also kein Futter mehr, also auch kaum noch Mäuse hier. Aber sie sind eben da. Sie leben hier, sie streiten hier, sie sterben hier. Es sind 30 verwilderte Katzen der verschiedensten Generationen, von 6 Monaten bis ca. 10 Jahren, in allen Kategorien von Chefkatze bis Letzter in der Rangfolge. Den vielgenannten Welpenschutz gibt es hier nicht, es überlebt, wer stark ist und sich durchsetzen kann.

Auch heute fehlen mir wieder einige der Miezen die ich inzwischen alle mit Namen bedacht habe um sie auseinander halten zu können. Aber ich darf nicht herumgehen und schauen ob irgendwo eine verletzt oder krank liegt. „Die Tierschützer“, also ich, dürfen ausschließlich diese Wiese betreten und füttern. Und auch nur an der Futterstation, nirgendwo anders, sonst bekäme ich die Mistgabel zu spüren.

Als ich einmal eine scheue ca. 6 Wochen alte Babygruppe unter einer Tanne gefüttert habe, wurde den Kleinen die Schüssel unterm Fressen weggerissen – ich darf eben nur im Futterhäuschen füttern. Nirgendwo anders. Und weil der Hof nicht mehr bewohnt ist, wurden Kameras installiert, damit auch jeder nur dorthin geht wo’s erlaubt ist. Und nirgendwo anders.

Ich setze mich wieder ins warme Auto und fahre nach Hause. Als ich später den Wetterbericht ansehe und dort wieder mal nächtliche Temperaturen von bis zu -20 Grad angekündigt werden, könnte ich heulen. Ich muss an die Katzen dort draußen denken. An die Alten, an die Rangniedrigen, an die Schwachen – an die, die aus dieser Gruppe nicht rechtzeitig ans Futter kommen um noch etwas zu erwischen das nicht gefroren ist. Sie werden unverrichteter Dinge frierend wieder abziehen müssen und eine weitere Nacht in der unerträglichen Kälte ertragen müssen.

Dabei wäre es so einfach, dürften wir nur eine einzige Wärmelampe aufhängen und sie in den leeren, ungenutzten Ställen füttern. Aber das ist nicht erwünscht.

Die Kastrationsaktion haben wir schon mehrmals verschoben, denn bei diesem Wetter kann man keine wildlebenden Katzen frisch kastriert wieder zurücksetzen, das wäre unverantwortlich.

Ich wünsche mir das Frühjahr und den Sommer herbei, damit diese Tiere endlich wieder die warme Sonne auf ihrem Fell spüren können und nicht frierend im Schnee sitzen müssen. Damit wir sie kastrieren und behandeln können und damit sie sich – ihrer Natur entsprechend - selbst einen kleinen Teil ihrer Nahrung auf den umliegenden Wiesen fangen können. Und auch, damit ich sehen kann, wie Minka, Petita, Mieziemamma, Hasi, Tigri, Flecki, Sternchen der hübsche Blue, die scheue Naseweis und die ganzen anderen vielleicht doch einmal etwas mutiger werden und sich näher an mich herantrauen.

Bevor ich einschlafe denke ich noch mal kurz an die Katzen und ich bin mir sicher: jeder Mensch bekommt seine „Quittung“ für das, was er tut und vor allem für das war er eben nicht tut. Der eine bekommt sie früher, der andere später. Aber jeder bekommt sie und zwar hier, und nirgendwo anders.

Diese Geschichte wurde eingeschickt von Sylvia Enders, THV-Team