15. Februar 2012

Lori – Das scheue Rehlein mit dem Terrier im Blut...

Hmmm, mal überlegen…wie fing alles an?

Angefangen hat alles mit meinen Auszug von Zuhause - im November 2006. Endlich konnte ich mir meinen lang ersehnten Wunsch nach einem eigenen Hund erfüllen! Mit einem Hund daheim bei meinen Eltern war mein Vater damals nicht einverstanden, aber während meiner Arbeitszeit durfte ich dann gnädiger Weise doch ein Hündchen „unterstellen“. ;-)

So zog Felix, meine Miniatur-Ausgabe von Richard Gere, aus dem Tierheim München-Riem bei uns ein. Er war sicherlich nicht der als Anfängerhund ausgeschriebene Hund, aber man ist ja erfinderisch, nimmt sich der Probleme an und meistert alles mit der Zeit.

Vier Jahre lang hatten wir Felix nun, als es mich 2010 wieder so komisch in den Fingern juckte. ;-) Schon seit einiger Zeit hatte ich neugierig die immer häufiger zu sehenden Mehrhundehalter beobachtet. Mir gefiel das Untereinander zwischen den Hunden, das Zusammengehörigkeits-gefühl.
Schließlich erwischte ich mich immer öfter auf diversen Tierschutz-Seiten bis ich dann sie entdeckte: Lori! Genau mein Beuteschema. Ein Terrier. Und ein „Handicap“: Angsthund!

Da war das Interesse in mir geweckt, ich wollte Lori unbedingt kennenlernen und versuchen ihr zu helfen. Mit meinem inzwischen schon etwas gesetzterem Rüden wollte ich ihr einen starken Mann an die Seite geben und an ihrer Angst arbeiten.
Das Kennenlernen fand noch am selben Tag statt. Lori sprang aus dem Auto der Pflegestelle raus und war auch gleich wieder unter diesem verschwunden. Ups..jaaa, sie hatte wirklich Angst!

Ich merkte, dass es keinen Sinn machen würde, zu versuchen sich gleich mit ihr anzufreunden. Deshalb gingen wir einfach mal so los…den Waldweg entlang…

Die Hunde untereinander verhielten sich neutral und ich lies Lori immer wieder mal ein Leckerchen fallen, das sie sich dann heimlich holte. Ein Rückblick zuviel und sie verschwand gleich wieder hinter ihrem Pflegefrauchen.

Die meisten hätten sich wahrscheinlich von diesem Verhalten abschrecken lassen. Es war keine Scheu, bei der man mit ein bisschen Bestechung nach kurzer Zeit zu dem Hund durchdringen kann…nein, alles würde ein lebenslanger Lernvorgang für uns werden.

Aber gut, wir sollten nach Rücksprache mit der Pflegestelle doch eine Nacht darüber schlafen…uns innerhalb der Familie austauschen, ob wir uns in dieses Abenteuer stürzen wollen. Und ja wir wollten! Ich brauchte keine Nacht, der Entschluss stand fest, Lori sollte kommen! Unbedingt!

Gesagt, getan, Fragebögen wurden ausgefüllt, die Platzkontrolle durchgeführt und schon am zweiten Tag nach unserem Kennenlern-Date durfte ich Lori abholen. Für die erste Woche hatte ich Urlaub genommen um Lori langsam an ihren Alltag heranführen zu können. Dazu gehören auch täglich kurze Besuche bei meinen Eltern. Schließlich würde sie dort zusammen mit Felix täglich einige Stunden verbringen.

Lori und ich wuchsen sehr schnell zusammen, das Vertrauen wurde mehr und mehr gefestigt. Besonders das gemeinsame Kuscheln in der Nacht tat uns beiden unwahrscheinlich gut. Die täglichen Spaziergänge waren nicht leicht für uns, Lori hatte vor allem und jedem Angst, aber man freute sich über jeden noch so kleinen Fortschritt dieser zarten Hündin. Sie werden überrascht sein über was für noch so minimale Kleinigkeiten man sich freuen kann!

Als zusätzliche Hilfe holten wir uns eine Hundetrainerin ins Haus. Ach was erzähl ich, ich glaube es ist inzwischen die 4te und bisher beste und hoffentlich auch letzte Trainerin ;-) Sie hat Lori eine ganz tolle Möglichkeit verschafft mit fremden Menschen eine positive Verknüpfung herzustellen: Mantrailing. Lori lernt hierbei eine ihr fremde Person kennen und muss diese dann suchen. Das ist ihre Aufgabe! Natürlich möchte sie vorrangig die Käse-Box finden, die die Person mit auf ihren Weg genommen hat, aber egal, Lori erledigt ihren Job mit vollem Eifer. Nach und nach können wir den Schwierigkeitsgrad steigern und zum Beispiel auch in ruhigen Straßen auf Suche gehen. Sie ist voll und ganz dabei und hat massig Spaß! Und das ist das größte Geschenk! Diese Freude, diese Motivation miterleben zu dürfen! Von einem Hund der nichts mehr dieser Menschenwelt zu tun haben wollte. Einfach klasse!

Ich liebe diesen Hund über alles und würde diesen schweren Weg immer wieder gehen und er ist ja auch noch lange nicht zu Ende! Lori und ich haben noch viel, viel vor uns! Und wie es nunmal so ist, unverhofft kommt oft…“Hund 3“ ist inzwischen auch noch eingezogen. ;-)

Diese Geschichte wurde eingeschickt von Andrea Schell, THV-Team