Wie viel Freude können uns Tiere täglich schenken und wie viel Trauer empfinden wir, wenn wir sie verlieren oder wenn wir Zustände sehen, in denen sie leben müssen. Die, die nicht so viel Glück hatten und nicht bei Menschen, die sie lieben, landeten. Oft denke ich, dass es gut ist, dass sie uns die Grausamkeiten und Gemeinheiten nicht erzählen können, denen sie ausgesetzt waren oder sind.
Eigentlich bin ich ja ein Katzenmensch. Aufgewachsen auf dem Land und immer Katzen in unserem Haus. Nie einen Hund. Deswegen lebten irgendwann auch zwei wunderschöne türkische Angorakatzen in meinem Haushalt in der Münchner Innenstadt. Kater „Paul“ und Kätzchen „Fräulein“. Beide zogen dann leider aus, Fräulein, die ich der Vorbesitzerin verwahrlost und krank abgenommen hatte, verstarb leider, Pauli geht’s sehr gut, obwohl auch er von einer Freundin aus einem Tier-Messie-Haus gerettet werden musste.
Kater Pauli
Und dann ein Hund? Ein HUND? An einen Hund hätte ich nie gedacht. Ich mochte Hunde nicht mal sooo besonders. Ines wollte einen Hund. Und was tut man nicht alles, wenn man verliebt ist..... Also machten wir uns auf die Suche nach einem Hund. Von Anfang an stand die Entscheidung fest, es sollte ein Hund aus einem Tierheim sein, ein armes Wauzerl, das ein schönes Heim bei uns finden sollte. Nicht zu groß, aber schon ein richtiger Hund, kein Schoßhündchen. „Hund“ sollte unsere Sportleidenschaft teilen können beim Bergwandern, Joggen, Skitourengehen usw. Das Münchner Tierheim bot ein großes Angebot, aber ehrlich gesagt dominierten zu diesem Zeitpunkt aggressive Riesenhunde, die uns mit Sicherheit überfordern hätten. Ines fand dann doch ein Labradormischlings-Mädchen. Leider war sie schon reserviert für eine nette Familie. Und ich? Ich hatte eine unglückliche Freundin! Was macht man(n)? Ich fing an, im Internet zu suchen und stieß auf eine mir bis dahin fremde Welt der Tierrettung, -stationen, vermittlungen, Auslandsaktionen. Aber warum nicht? Vor allem, als mir nach kurzem eine mittelgroße, schwarze, und entsetzlich dünne Hündin auffiel. Aus Kroatien. Fünf Bilder.
Anruf und Gespräche folgten und dann die schnelle Entscheidung – sie soll es sein. Eine reine Bauchentscheidung. Ganz ehrlich? Eigentlich ein Wahnsinn, oder? Kaum Infos zum Hund, nur dass es ein geretteter Straßenhund sei, sehr lieb und wohl gesund. Nach langen drei Wochen fand sich dann ein Flugpate und wir übernahmen sie. Treffen auf der Autobahnraststätte Vaterstetten, weil es praktisch war. Übergeben wurde uns ein nasser (der Wassernapf war wegen einer Bremsung auf der Autobahn umgefallen) und zitternder Hund, der Vertrag unterschrieben, die Gebühr bezahlt und schon saß sie in unserem Kofferraum. Wir hatten einen HUND! Eine völlige Blackbox. Als erstes machte sie nach ein paar Minuten einen Riesenhaufen in die Wohnung. Wir hatten ihr Kreisen nicht verstanden! Unsere Schuld! Ab dann klappte es und das blieb das einzige Mal, dass sie etwas anstellte oder kaputt machte. Ein Straßenhund der sofort stubenrein war. Lästig war, dass Hilde ihr Geschäft etwas peinlich war, sie brauchte absolute Ruhe und wollte nicht beobachtet oder gestört werden. Nicht so leicht, auch wenn man an der Isar wohnt. Das konnte schon mal 30 Minuten dauern, bis ein adäquates Plätzchen gefunden war. Große Klasse auf dem Weg in die Arbeit. OK, einmal sprang sie komplett nass in unser Bett – aus Rache, weil wir sie zu lange gebadet hatten. Aber das erst viel später.
Die ersten zwei Wochen fremdelte ich, wahrscheinlich mehr als der Hund. Zu ungewohnt war dieses Tier, das deutlich mehr Kommunikation suchte als meine Katzen. Hilde war so lieb wie beschrieben. Nach zwei Wochen fuhren wir eine Woche auf die Insel Elba. Kein Problem, denn Hilde sprang ab dem zweiten Tag sofort von selbst hinten ins Auto, Hauptsache dabei - war ihre Devise. Ich könnte noch lange über Hilde schreiben und mache es an anderer Stelle vielleicht noch, ich glaube man spürt jetzt schon die Zuneigung, ja Liebe, die sie in unser Leben brachte. Eigentlich war ja der Plan, einen Hund zu retten und was Gutes zu tun. Aber Hilde drehte die Sache um. Sie „rettete“ mich, denn sie schenkte mir soviel Liebe, Vertrauen, Zuneigung und vor allem Spaß. Mein Leben veränderte sich stark, Hilde war eine zuverlässige Konstante. Wie oft kam sie, wenn es mir nicht gut ging und legte ihren Kopf auf mein Bein. Man spürte, dass sie ganz Schlimmes erlebt haben musste und auch, dass sie wohl mal bei Menschen gelebt hatte und wahrscheinlich ausgesetzt worden war. Und trotzdem fehlte ihr jede Bosheit, jede Aggression oder jedes Misstrauen. Wir hatten den liebenswürdigsten Hund der Welt. Zwischendurch nervte es, dass jeder sie mal streicheln wollte, gerne auch ungefragt. Hilde war die beste Botschafterin für Tierrettungen aus dem Süden.Und dann das Unglück – sie riss sich plötzlich los und rannte vor meinen Augen in einen Zug, wohl um mich gegen das fauchende schrille Ungetüm zu verteidigen. Dass es an meinem Geburtstag war, spielt auch schon keine Rolle mehr. Es ist jetzt ein halbes Jahr her und ich fühle mich manchmal immer noch, als ob ein Körperteil ohne Narkose amputiert worden wäre. Hilde lebte 2 ½ Jahre bei uns und wir waren nur genau 10 Tage getrennt. Sonst war sie ausnahmslos an meiner Seite. Nach Wochen der Betäubung normalisiert sich das Leben langsam wieder und noch ein paar Monate später stand es fest. Das Haus (wir leben inzwischen auf dem Land) war zu leer ohne Hund, unser Leben auch. Hilde fehlt und sie wird immer unersetzlich bleiben.
Aber nach dieser positiven Erfahrung geht es nicht mehr ohne Hund und vor allem auch der Gedanke siegte, dass man einer armen Kreatur ein Heim geben kann und damit schon zwei Hunde rettet, denn es wird ein Platz frei für den nächsten, der dann immerhin nicht mehr auf der Straße sein Dasein fristen muss und wieder eine Chance auf Vermittlung hatte. Obwohl wir geradezu unglaubliches Glück gehabt hatten, bei unserem „Online-Einkauf“ von Hilde, wussten wir, dass wir dieses Mal anders und professioneller vorgehen sollten. Wir suchten wieder online einen Hund aus einer Tierrettung und stießen in den Tiefen des Netzes und mit vielen Anläufen auf THV. Wir hatten klare Anforderungen an die Vermittlungsstelle. Mehr Informationen, Betreuung, Aufklärung. Die umfangreiche Homepage schenkte spontan Vertrauen. Dieses Mal ließen wir uns mehr Zeit und schauten immer wieder, ob etwas Passendes für uns dabei wäre. Treffen und Gespräche folgten.
Ich blieb allerdings schnell bei Milla hängen. Sie rührte sofort mein Herz. Und wie es immer so ist: Irgendwann schmeißt man alles über den Haufen. Ein deutliches Zeichen war wohl, dass ich Millas Seite auf der THV Homepage als Startseite auf meinem Rechner einrichtete. Dann übernahm ich die Patenschaft für sie, ich wollte sie satt wissen und hoffte, ganz kindlich, dass sie irgendwie spüren darf, dass es jemanden auf der Welt gibt, der sich Sorgen um sie macht und sie mag. Milla ist ein Angsthund! Super! Wir wollten doch etwas Unproblematisches. Und noch dazu schaut sie Hilde entfernt ähnlich. Aber sie rührte mein Herz! Auch nach Wochen. Ein Video zeigte nicht den schüchternen Hund, der sich nichts traut, sondern Milla, wie sie im Hof von Sense Sostre den Wasserstrahl eines Wasserschlauchs jagt. Lustig und frech und ausgelassen. Immer noch Bedenken. Und dann ein neues Video, auf dem sie mit der Pflegerin herzerweichend schmust und kuschelt. Damit hatte sie bei mir gesiegt. Ich frage mich heute noch, warum dieser niedliche, hübsche Hund so lange unentdeckt blieb. Aber das denke ich mir bei ganz ganz vielen, die wir sehen.
Wir hätten es sicher nicht gemacht, wenn wir nicht das gute Gefühl gehabt hätten, auch danach bei THV gut aufgehoben zu sein. Und tatsächlich steht immer jemand, allen voran Tina zur Verfügung mit Ratschlägen, konstruktiver Kritik und auch moralischer Unterstützung (ganz wichtig) parat. Milla heißt inzwischen Helga (OK, wir haben einen Hang zu schrägen Hundenamen) und sie gewöhnt sich langsam an uns. Alles ist anders und das ist gut so. Oder anstrengend. Oder lustig. Eben alles. Ein neues Lebewesen im Haus. Männern gegenüber ist sie extrem ängstlich, mir gegenüber auch. Das ist nicht so lustig, denn sie verbringt ja den Tag mit mir alleine. Anleinen klappt nicht bei mir, das wird noch eine lange Strecke werden. Dafür rennt sie mir den ganzen Tag nach im Haus. Aber mit Frauen hat sie weniger Probleme und Ines liebt sie. Jeden Abend wird als Power-gekuschelt und gestreichelt. Helga ist manchmal mehr Katze als Hund!
Ich bin überzeugt, dass sie uns für gute Menschen hält, denn wir haben weiche Dinge für sie. Nach den Jahren im Tierheim kann sie es kaum fassen, wie weich man liegen kann. OK, sie hat neben ihrem Hundebett sofort die Couch erobert. Es hat auch Vorteil, wenn man als Hund so ängstlich ist. Wir waren froh, dass sie in den ersten Tagen einen Platz fand, auf dem sie sich wohl fühlte. Dabei hat sie gleich mal Ines Lieblingskissen einkassiert, die sie selbst immer kunstvoll arrangiert, so dass Kopf und auch der Hundehintern fein weich liegen. Hunde kann man wie Menschen mit einfachen Dingen glücklich machen, oder? Sicher ist es nicht so einfach und es wird lange lange dauern, bis Helga an unserem Leben außerhalb des Hauses teilnehmen kann. Aber sie rührt mich jeden Tag auf Neue. Und wenn wir draußen rumtoben, hat sie richtig Spaß und ist deutlich weniger scheu mir gegenüber. Da wird schon an der Schleppleine richtig Spaß gemacht, da vergisst sie ihre Ängste immer wieder, rennt auf mich zu, scherzt mit mir und springt mich an. Licht am Ende des Tunnels. Es wird dauern, aber es wird werden.
Inzwischen habe ich mehr Einblick in die aufwändige Arbeit des Vereins und das unglaubliche Engagement aller Beteiligten bekommen und gerne meine Hilfe angeboten. Eine Idee, die ich schon länger hatte und die sich hier wie von selbst ergeben hat. Da es mit meiner beruflichen Tätigkeit zu tun hat, habe ich die Betreuung der Facebook Seite übernommen und THV in Twitter und anderen sozialen Netzwerken integriert. Diese Medien werden immer wichtiger in der Kommunikation, also auch für Tierschützer und ehrenamtliche Orgas. Noch ist nicht alles perfekt und fertig, aber es ist in Arbeit und ja ein ständiger Prozess. Im kommenden Jahr hoffe ich etwas mehr „Luft“ zu haben und vielleicht auch mal bei einer der Spanienfahrten aktiv helfen zu können. Außerdem denke ich als Marketingmensch darüber nach, wie man für den Verein mehr Spenden generieren könnte. Ines meinte vor einigen Tagen, dass wir vorerst solange Helga so unsicher ist, wirklich keinen zweiten Hund anschaffen sollten. Komisch, ich hatte wirklich gar nichts davon gesagt. Wirklich nicht! Aber vielleicht sollten wir uns mal als Pflegestelle bewerben bei Tina?Ich wünsche uns allen - dem Verein, den Aktiven, den Freiwilligen, den Pflegern, allen Freunden und vor allem all „unseren“ Tieren, Patentieren, Heimtieren usw. Frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr!
Diese Geschichte wurde eingeschickt von Roland Hötzinger, THV-Engagierter
Diese Geschichte wurde eingeschickt von Roland Hötzinger, THV-Engagierter
