10. Dezember 2011

So viel Emotionen wegen eines blauen Kleintransporters?

Ja, denn einmal im Monat ist es soweit, und die glücklichen Fellnasen, die es geschafft haben einen Platz in diesem blauen Bus zu „ergattern“, kommen nach jahrelangem Tierheim- bzw. Perreraaufenthalt an, um von ihren neuen Familien in die Arme genommen zu werden...... sie haben es endlich geschafft... Aber beginnen wir von vorne...

Jeden Hund, der auf unsere Homepage ist, „kennen“ wir quasi „persönlich“. Man fiebert mit, freut sich mit und trauert mit ihnen. Manche Schicksale ergreifen uns extrem, manchen Hund möchte man einfach nur in den Arm nehmen und beschützen, mancher Hund schaut einem bis ins Herz. Einige Versprechen so mancher THV´ler teils vor Ort in Spanien oder auch per Bildschirm werden ausgesprochen. Und ein absoluter Traum geht dann in Erfüllung, wenn man sein ausgesprochenes Versprechen irgendwann einlösen kann. Nämlich dann, wenn man derjenigen Fallnase beim Aussteigen in Deutschland aus dem blauen Bus behilflich sein kann. :o)

Und dann ist es wieder soweit. Die Fahrerinnen brechen nach Spanien auf – viele Kilometer und schlaflose Nächte liegen vor Ihnen. Da wir das allesamt ehrenamtlich machen, müssen die Fahrerinnen pro Fahrt mindestens einen Urlaubstag opfern. Der Rest des Teams ist sozusagen in „Lauerstellung“, immer den Tag der Ankunft im Hinterkopf!

DER TAG, an dem der Tierschutzbus mit der kostbaren Fracht eintrifft, ist da – endlich! Viel bangen, jubeln, telefonieren und mailen liegt hinter einem. Man schaut sich die Fahrtliste an, liest sich immer wieder die Namen derer durch, die es endlich geschafft haben. Ich fahr jedes mal mit solch einer Aufregung zur Ankunft, als wäre es meine Erste. Die Adoptanten und das THV Team stehen da und warten bis der blaue Bus zu sehen ist. Bis dann jemand ruft „Sie kommen! Der Bus kommt!“. In dem Moment, wo der Bus dann ums Eck biegt und uns unsere Mädels freudestrahlend heraus winken, muss ich immer noch mit den Tränen kämpfen. Sie haben es geschafft, die Mädels haben die Wahnsinnstrecke hin und zurück in drei Tagen hinter sich gebracht und die Hunde und Katzen haben den Sprung in ein neues, besseres Leben geschafft.
Die Türen gehen auf, die Katzenboxen werden zuerst heraus genommen, in die Autos verstaut und aus den Gitterboxen blicken zaghaft die Hunde in die neue Welt.

Die erste Gitterbox wird geöffnet und der erste Held verlässt durch ein Teammitglied den Bus. “Willkommen in Deutschland, du hast es geschafft, jetzt beginnt DEIN Leben und ich freue mich so sehr dabei sein zu dürfen!“, würde ich an dieser Stelle zu gerne jedem zurufen. Wenn ich dann die Hunde, für die ich zuständig bin, den Familien übergebe, ist das ein so unbeschreiblich schönes Gefühl. Man weiß genau wie lange der Hund im völlig überfüllten Zwinger saß, ohne jeglichen Auslauf oder Gassigänge (manche saßen ihr Leben lang hinter Gittern) und wie lange er auf jegliche Zuwendung und streichelnde Hände verzichten musste. Oder bisher durch manch´ Hände nur schlechtes und schmerzhaftes erfahren musste. Und man sieht die dazugehörenden Menschen, die sich so sehr freuen, dass ihr neues Familienmitglied, auf das sie so sehnsüchtig gewartet haben, nun endlich angekommen ist. Dafür nehmen die Adoptanten oft mehrere hundert Kilometer und viele Stunden Anfahrtsweg in Kauf.

Und dann denke ich daran, dass genau dieser Hund völlig wertlos und nicht gewollt von Menschen in einer Perrera oder einem Tierheim abgegeben oder einfach auf die Straße gesetzt worden ist. Und genau wegen diesem Hund stehen nun liebevolle Menschen voller Erwartung mit vollgepackten Korb vor einem, dessen Inhalt sich von gekochtem Hähnchen, Leckerlis, Wasser, Fotoapparat u.s.w. erstreckt.

Wenn ich dann die Hunde sehe, wie sie etwas verunsichert den Bus verlassen, nicht so recht wissend, was die Menschen jetzt wieder für sie bereit halten, wie sie ungläubig umher blicken, wie sie ihre Nase in die Luft heben und fassungslos schnuppern, wie sie die ersten Schritte auf grünem Gras wagen und am ersten Grashalm riechen...

Das sind Bilder, die sind unbezahlbar! Und diese Happy Ends miterleben zu dürfen, ein kleiner Teil davon zu sein, dass dies für manche Fellnase in Erfüllung geht, ist ein sehr großer Reichtum. Mein Weg führte mich über die Adoption unseres Hund Anjos ins THV Team. Ich mache seitdem Vor- und Nachkontrollen, bin Pflegestelle für Hunde und arbeite im Team der Hundevermittlung mit. Ganz oft werde ich gefragt warum ich das mache und so viel Zeit opfere und das auch noch ohne jeglichen Verdienst und sogar noch Benzin dafür verfahre.

Dann sehe ich die Bilder der Ankunft –
die Augen und Nasen der Vierbeiner, die Gesichter der Adoptanten - lächle und sage: „genau aus DIESEM Grund“ :o)

Diese Geschichte wurde eingeschickt von Petra Schneider, THV-Team