9. Dezember 2011

Herzenshunde...und die Angst vor dem Unbekannten

Manchmal treffen wir einen Menschen und haben das Gefühle den anderen schon ewig zu kennen, aber wir haben Angst auf den anderen zu zugehen. Gedanken gehen einem durch den Kopf „Was wird er/sie von mir denken?“.

Genauso geht es mir mit einem Hund, der schon ganz lange in der Auffangstation auf ein Zuhause wartet. Seine Augen waren Anfangs voller Angst und Panik – Panik vor uns Menschen. Jede Berührung war eine Qual, jeder Kontakt einer zuviel.

Nach fast 2 Jahren sieht man einen anderen Hund vor sich – die Augen wachsam und aufmerksam. Zwar ist er noch vorsichtig, aber er schenkt den Menschen viel schneller Vertrauen und genießt jede Art von Zuwendung. Trotzdem braucht er Zeit und das Einfühlungsvermögen seiner potentiell neuen Familie – er kennt das normale Hundeleben nicht, er hatte wahrscheinlich noch nie in seinem bisherigen Leben ein eigenes Körbchen, niemand ist mit ihm spazieren gegangen und regelmäßig Futter gab es auch nicht.

Dennoch ist er einmalig und seine Ausstrahlung ist besonders – seine rehbraunen Augen funkeln, seine große Nase hält er jagdhundtypisch oft in den Wind und man fragt sich „was mag er gerade riechen?“. Er strahlt eine absolute Ruhe und Gelassenheit aus, so dass ich oft schon von ihm geträumt habe, wie er im Wald ganz ruhig neben mir steht und wir gemeinsam die Waldluft riechen und das Treiben der Natur beobachten.

Ich kann mir ständig seine Fotos und seine Videos auf der Homepage anschauen und dabei überlege ich „Was würde er von mir denken?“ - „Dürfte ich ihn auch anfassen und streicheln?“. Und dann bekomme ich Angst – Angst ihn zu enttäuschen, ihm nicht gerecht zu werden, ihn wieder zu enttäuschen, so wie es die ganzen Menschen in seiner Vergangenheit getan haben.

Warum ich an mir selbst zweifele? Ich habe keinerlei Erfahrungen mit Angsthunden. Meine Hündin ist eine typische sture Beagledame, die frech und lustig durch ihr Hundeleben geht. Sie kennt keine Angst (bis auf die Angst um ihr Futter), vertraut jedem Menschen und bleibt immer an meiner Seite (wenn sich kein Döner im Busch versteckt). Auch meine bisherigen Pflegehunde waren alles Powerpakete, die sich super schnell in unserem Alltag zurecht gefunden haben. Von Unsicherheit oder Angst war dabei kaum eine Spur.

Aber warum sich nicht neuen Herausforderungen stellen??? Es gibt zum Thema „Angsthund“ sehr viel Literatur, es gibt Erfahrungsberichte und es gibt Menschen (z.B. von der Tierhilfe verbindet e.V.), die tagtäglich mit Angsthunden arbeiten. Man kann von dem Wissen und dem Erfahrungsaustausch mit Anderen profitieren, man lernt neue Wege der Hundeerziehung zu gehen und man lernt den Hund und sein Verhalten noch besser zu lesen und zu verstehen. Die Adoption eines Angsthundes bedeutet eine noch größere Verantwortung, erfordert Einsatz und Geduld – diese Hunde brauchen Sicherheit um im Alltag klar zu kommen und um in ein „normales“ Hundeleben hineinzuwachsen.

Mein Herzenshund „Dyke“ steht hier stellvertretend für all die anderen Angsthunde in den Tierheimen und Auffangstationen.

Sie verdienen eine Chance,
denn oftmals ist der Mensch der Grund für ihre Angst.

Diese Geschichte wurde eingeschickt von Christina Decker, THV-Team