So saß dieser Hund in einem dieser kalten leeren Betonzwinger. Ohne etwas zu essen, ohne ein warmes Plätzchen. Ob sie überhaupt noch etwas von ihrer Umgebung wahrgenommen hat? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass wir genau diese Hündin wenige Stunden nachdem ich sie zum ersten mal gesehen hatte aus diesem Zwinger holen und in unseren Transporter setzten durften.
Ja, diese Hündin hatte es geschafft, sie durfte die Perrera für immer verlassen. Doch was passiert mit all den anderen Hunden die dort immer noch in ihren Zwinger sitzen? An einem Ort mit so wenig Liebe und Geborgenheit. Aber an einem Ort mit unglaublichen Lebewesen.
Was haben Tiere erlebt, wenn sie sich in so einem Zustand befinden wie unsere weiße Hündin, die eigentlich vor lauter Dreck gar nicht mehr weiß war? Was ist wohl mit all diesen Tieren geschehen bevor sie an diesem Ort gelandet sind? Ich weiß es nicht und ich werde es auch nie erfahren... Wir gaben unserer neuen Wegbegleiterin den Namen Soferl. Am Abend ergab sich dann sogar noch eine Möglichkeit sie zu scheren.
Doch an Soferls Gesundheitszustand änderte sich dadurch natürlich nichts. Sie konnte nicht normal laufen, fiel immer mal wieder um und in der Nacht hielt sie uns wach, da sie immer wieder gegen unser Bett lief oder darunter krabbelte und von alleine nicht mehr raus kam.
Untertags, während wir weitere Stationen besuchten, nahmen wir sie entweder auf dem Arm mit oder sie durfte in einer Transportbox bleiben und schlafen. Auch die zweite Nacht verlief nicht gerade ruhiger. Soferl war ein richtiger Pflegefall, den man immer im Auge haben musste, damit sie nicht irgendwo dagegen lief oder die Treppen hinunter fiel. Nach zwei Tagen verlor Soferl dann den Appetit und wir mussten sie zwangsernähren.
Viele fragen sich bestimmt, ob so ein Leben noch lebenswert ist, oder ob es für das Tier eher eine Qual ist. Doch wir wollten ihr noch ein paar Tage geben um zu schauen wie sie sich entwickelt, schließlich konnten wir ja nicht wissen wie lange die schon so aussah und was man davor mit ihr gemacht hat. Wir hatten die Hoffnung, dass sie mit medizinischer Versorgung, gutem Fressen, Wärme und Geborgenheit sich wieder etwas erholen würde. Wir wollte nicht gleich aufgeben, sondern Soferl eine Chance geben.
Als wir nach fünf Tage unsere Heimreise nach Deutschland antraten ließen wir Soferl in der Obhut einer spanischen Tierschützerin/Tierärztin zurück, denn die Fahrt wäre für einen Hund wie Soferl unzumutbar gewesen.
Die spanische Tierschützerin hatte alles versucht, hat um Soferl gekämpft, doch es war aussichtslos. Diese weiße Hündin war zu krank und somit wurde sie nun auf ihre Reise geschickt... Nur 5 Tage, die ich mit dieser Hündin verbracht habe. Nur 5 Tage in denen ich mich mich um sie kümmern durfte Nur 5 Tag... Dennoch haben ich diese Hündin lieb gewonnen … Mach`s gut kleines Soferl, du hast es verdient in eine andere Welt zu kommen, wo es keine Zwinger, keinen Schmerz und keine Verachtung gibt... Doch eine Frage wird bleiben, die ich mir nach nur 5 Tagen mit diesem Hund immer wieder stelle:
Was müssen Menschen einem Tier antun, dass es so ausschaut? Und warum tun sie es?
Diese Geschichte wurde eingeschickt von Alex Schneid, THV-Jugendgruppe