17. Dezember 2011

Mehr als ein Foto...

Obwohl ich schon seit vielen Jahren mit Katzen lebe und Tiere liebe, ist mir doch erst im Laufe der Zeit immer klarer geworden, dass Tiere alles über die Menschen wissen, mit denen sie zusammen leben. Natürlich wissen sie nicht alles, aber doch wirklich alles, das wichtig ist.

Beispielweise kennen sie nicht unseren Kontostand, wissen aber doch, ob wir uns sicher fühlen vor der Not und ob genug leckeres Essen und genügend kuschelige, warme Schlafstätten vorhanden sind. Hunde wissen nicht, ob unsere Schuhe der letzten Mode entsprechen oder altbacken und darüber hinaus auch noch farblich unpassend sind, doch sie wissen, ob wir uns darin wohlfühlen und darin fröhliche Gassigänge unternehmen können. Sie wissen nicht, ob unser Mantel der letzten Mode entspricht, doch sie wissen, ob er uns gut vor Kälte schützt und wir ihn gerne anziehen. Und Sie wissen genau Bescheid über unsere seelischen Verfassungen und besonders genau über die Qualitäten unserer Beziehungen untereinander und zu den Tieren, mit denen wir leben. Inzwischen bin ich mir nicht nur sicher, dass Tiere dies alles wissen, sondern auch, dass man daraus lernen kann, was wirklich von Bedeutung ist.

Unsere drei Kater waren leider keine besonders harmonische Truppe. Ursprünglich waren es zwei Kater, Minzi und Clemens, die sich anfangs sehr gut verstanden hatten und sich im Laufe der Zeit auseinander entwickelten und zwar in dem Maße, wie sie sich uns annäherten. Später kam dann noch ungeplant Pascha hinzu, eine meiner THV-Pflegekatzen, viel jünger als die anderen beiden, doch er blieb. Handfesten Streit unter ihnen gab es fast nie, sondern man ging sich einvernehmlich aus dem Weg. Mit uns beiden Menschen schmusten alle drei sehr gerne, aber hintereinander.

Am Heiligen Abend vor zwei Jahren hatte ich ein besonderes Erlebnis mit unseren Dreien. Die frühe Dunkelheit war längst herein gebrochen. Mein Mann war in einem anderen Zimmer mit Vorbereitungen beschäftigt und ich saß schon alleine bequem auf unserem Sofa und hörte Radio. Dort wurde erzählt über die Uraufführung des Weihnachtsliedes „Stille Nacht, heilige Nacht“. In einem kleinen Dorf hatten Kirchenmäuse die Orgel der Kirche so beschädigt, dass diese nicht mehr bespielbar war. Kurzfristig wurde das neu komponierte Weihnachts-Stück umgeschrieben zu einem kleinen Lied mit Gitarrenbegleitung, das nichtsdestotrotz sehr bald weltbekannt wurde. Und dann erklang die uralte, seit der Kindheit so sehr vertraute Melodie und mir wurde unbeschreiblich feierlich zumute. Auf einmal durchströmte mich ein Glücksgefühl und so eine große Dankbarkeit, dass mir ein wenig die Tränen kamen, Dankbarkeit für diesen Heiligen Abend, für meinen Mann, für die Wärme und Geborgenheit, für unser Zusammenleben mit den drei Katern und für die Musik, die ich hören durfte, aber auch Rührung und Traurigkeit für alles Leid und die Armut der Kirchenmäuse, die nichts zu fressen hatten. Ein Schlückchen Rotwein ließ mich noch tiefer eintauchen in meine Ergriffenheit und ich nahm ein paar Momente lang gar nichts mehr um mich herum wahr. Als ich mich wieder umblickte, saßen Minzi, Clemens und Pascha auf mir und direkt neben mir, so vereint wie niemals zuvor. Sie waren angezogen worden durch meine Euphorie! Ganz vorsichtig und leise rief ich nach meinem Mann, damit er dieses ungewohnte Bild fotografieren konnte. Und die drei blieben noch eine ganze Weile so bei mir sitzen, in einer Nähe zueinander, die sonst zum Streit geführt hätte.

Kater Clemens (rechts im Bild) starb im August des nächsten Jahres und Kater Minzi (links im Bild) starb im November diesen Jahres.

Die Szene hatte sich nie mehr wiederholt
und über dieses Foto bin ich sehr froh.

Diese Geschichte wurde eingeschickt von Christine Erb, THV-Team